Site Overlay

Aussichtsplattform Valle de Valdeón

Nationalpark Picos de Europa, Provinz León
Plattform-Nutzfläche: 90m2
Gewonnener Wettbewerb, ausgeschrieben von der Fundación Patrimonio Natural de Castilla y León
November 2016

Im Rahmen des Programms der Regionalregierung von Kastilien und León für touristische Infrastrukturen in Naturräumen umfasst das Projekt die Errichtung eines von zwei Aussichtspunkten in der Umgebung des Puerto de Panderruedas im Nationalpark Picos de Europa.

Ausgehend von einer bestehenden, massiven Betonplattform erstreckt sich eine leichte, schlanke Konstruktion über den Abgrund, den das natürliche Gelände hier bildet. Für den Besucher entsteht der Eindruck, über das Tal zu schweben, während sich vor ihm das Panorama der Gebirgszüge am Horizont entfaltet.

Das Grundkonzept dieses Aussichtspunkts zielt darauf ab, die Wirkung des Panoramas zu verstärken. Der Besucher verlässt den festen Boden und wird selbst Teil der Szenerie. Der Blickwinkel weitet sich, und das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, das die solide Struktur des ursprünglichen Aussichtspunkts vermittelte, schwindet. Ein 30 Meter langer Weg – mit einem Boden aus halbtransparentem Gitterrost und einer leichten Steigung – führt den Besucher an einen Punkt, der 45 Meter über dem natürlichen Gelände liegt. Dort ist er lediglich durch ein gläsernes Geländer gesichert. Da unsere Wahrnehmung von Höhen oft täuscht und dazu neigt, vertikale Distanzen größer erscheinen zu lassen als horizontale, entsteht der Eindruck, noch tiefer in die Monumentalität der Landschaft und des Himmels einzutauchen – und zugleich weiter vom Boden entfernt zu sein. Die Windeinwirkung verstärkt dieses Empfinden zusätzlich. So wird das Betreten des neuen Aussichtspunkts – und erst recht das Erreichen seines äußersten Endes – zu einem schwindelerregenden Abenteuer, das jedoch völlig gefahrlos ist.

Das Tragwerkskonzept lässt sich auf die Formel „maximale Auskragung bei minimalem Eigengewicht“ bringen. Die Höhe am Ende des Stegs entspricht der eines 15-stöckigen Gebäudes; gehalten wird die Konstruktion lediglich durch zwei schlanke Stützen, die im felsigen Gelände verankert sind, sowie durch Verbindungspunkte zur bestehenden Plattform, die das Gleichgewicht des Bauwerks gewährleisten. So groß und kühn die Geste ist, so minimalistisch und bescheiden ist die Struktur angesichts des Naturschauspiels. Da sie vollständig aus Cortenstahl gefertigt ist, erfordert sie nur minimalen Wartungsaufwand und ihre Farbe fügt sich diskret in die bewaldete Landschaft ein.

Der Wettbewerbsentwurf von 2016 überzeugte die Jury durch seine Waghalsigkeit und zugleich Schlichtheit. Der Prozess endet aber nicht an diesem Punkt. 2026 wurde der neue Aussichtspunkt schliesslich nach einem veränderten Entwurf gebaut. Siehe: Aussichtsplattform in den Picos de Europa